Gicht: Ursache, Symptome & Behandlung

Wenn die Gelenke von plötzlichen Schmerzattacken gepackt werden, könnte Gicht dahinterstecken. Die Erkrankung tritt häufig eher im Alter auf und betrifft meist Männer. Hier erfahren Sie alles über die genauen Ursachen, Stadien und Behandlungsmöglichkeiten von Gicht. Zudem geben wir Ihnen noch Tipps, wie Sie der Krankheit am besten vorbeugen können.

Was ist Gicht?

Gicht ist eine Stoffwechselerkrankung, die entsteht, wenn der Harnsäurewert im Blut erhöht ist. Hauptsächlich äußert sich das durch rheumatische Beschwerden an den Gelenken wie Rötungen, Schwellungen und starke Schmerzen. In schweren Fällen kann die Krankheit aber auch Nierensteine oder Nierenschäden nach sich ziehen.

Gicht: Wie entsteht Gicht?

Gicht tritt deutlich häufiger bei Männern auf und macht sich gewöhnlich ungefähr zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr bemerkbar. Meistens ist die Erkrankung erblich bedingt (primäre Hyperurikämie), sie kann aber auch durch andere Krankheiten oder einen ungesunden Lebensstil begünstigt werden (sekundäre Hyperurikämie).

Ursachen von Gicht

Normalerweise wird Harnsäure einfach vom Körper ausgeschieden. Sammelt sich allerdings über einen längeren Zeitraum zu viel Harnsäure im Blut an, kristallisiert sie sich aus und legt sich auf Gelenken, Schleimbeuteln, Sehen oder auch der Niere ab. Durch die scharfen Kanten der Kristalle wird das Gewebe unangenehm gereizt und schmerzhafte Entzündungen entstehen.

Harnsäureüberschuss entsteht im Grunde durch drei Ursachen:

1. Zu viele Purine im Essen2. Der Körper produziert zu viel Harnsäure3. Die Nieren scheiden zu wenig Harnsäure aus
Purine sind in unterschiedlich hohen Dosen in Lebensmitteln enthalten und werden vom Körper zu Harnsäure verarbeitet. Vor allem durch purinhaltige Lebensmittel wie Fleisch, Innereien oder Fisch erhöht sich der Harnsäurespiegel deutlich.
Beim Abbau von körpereigenen Zellen fallen ebenfalls Purine an, die vom Körper abgebaut werden müssen.
Die Nieren scheiden zu wenig Harnsäure aus und ein Harnsäureüberschuss entsteht.

So äußert sich Gicht: Anzeichen und Symptome

Ein normaler Harnsäurespiegel liegt meist zwischen 3 und 6 Milligramm pro 100 Milliliter. Ist der Wert allerdings längerfristig höher, können irgendwann die ersten Symptome von Gicht auftreten. Die Erkrankung entwickelt sich dabei über mehrere Jahre und verläuft in der Regel in vier Stadien.

1. Stadium: Asymptomatische Hyperurikämie

Das erste Stadium der Erkrankung bezeichnet man als asymptomatische Hyperurikämie. Hier ist der Harnsäurespiegel bereits erhöht und beträgt mehr als 6,5 Milligramm pro 100 Milliliter. Trotzdem müssen in diesem Stadium noch nicht unbedingt Symptome wie Schmerzen oder Rötungen auftreten. Als erste Anzeichen können sich beispielsweise Nierengrieß oder Nierensteine bemerkbar machen.

2. Stadium: Akuter Gichtanfall

Bei deutlich erhöhten Harnsäurewerten kann es irgendwann zu einem akuten Gichtanfall kommen. Dabei spüren die Betroffenen plötzlich sehr starke Schmerzen in den Gelenken.

So äußert sich Gicht
Gicht zeigt sich meist im Zeh oder in den Gelenken der Füße und Beine, manchmal auch in den Händen.

In den meisten Fällen zeigt sich die Gicht im Zeh oder in den Gelenken der Füße und Beine, gelegentlich aber auch in den Händen.

Mitunter sind die entsprechenden Stellen dann gerötet, geschwollen und berührungsempfindlich.

Möglich sind aber auch weitere Beschwerden wie Fieber, Kopfschmerzen, Übelkeit und ein Schwächegefühl. Nach 1-2 Wochen klingen die Symptome allerdings meistens wieder ab. Dabei gilt: Je schneller man sich behandeln lässt, desto eher zeigt sich auch eine Besserung.

3. Stadium Interkritische Phase

Als interkritische Phase bezeichnen Ärzte den Zeitraum zwischen zwei Anfällen. In dieser Zeit haben die Patienten zwar keine Beschwerden, der Harnsäurespiegel ist aber trotzdem auch weiterhin noch erhöht.

4. Stadium: Chronische Gicht

Wenn Schmerzen und Bewegungseinschränkungen auch zwischen den Anfällen auftreten, wird die Gicht chronisch. In diesem Stadium können Gelenksknorpel, Knochen und Sehnen zerstört oder sogar deformiert werden. Die Krankheit kann auch die Niere angreifen, sodass sich Nierensteine bilden oder Organe durch die Anlagerung der Harnsäure irgendwann ganz versagen.

Wie lässt sich Gicht behandeln?

Um die Krankheit zu behandeln, muss als erstes die Harnsäure im Blut gesenkt werden. Wichtig ist: Auf jeden Fall mit dem Hausarzt oder Internisten absprechen und nicht eigenhändig mit Schmerzmitteln experimentieren. Mit der Therapie sollte auf jeden Fall möglichst früh begonnen werden, damit Gelenke und Organe nicht geschädigt werden und die Gicht nicht chronisch wird.

Medikamente gegen Gicht

Bei einem akuten Anfall von Gicht werden meist entzündungshemmenden Schmerzmittel, sogenannte Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) eingesetzt.

Gicht: Behandlungsmethoden
Entzündungshemmende Schmerzmittel helfen bei einem akuten Anfall von Gicht.

Dazu gehören beispielsweise Diclofenac, Ibuprofen oder Indometacin. Im Normalfall lassen die Schmerzen dann bereits nach ein paar Stunden schon deutlich nach.

Auch Kortisonpräparate können in Tablettenform eingenommen werden, um die Schmerzen zu lindern. Bei größeren Gelenken wird manchmal Kortison gespritzt.

Heute eher selten zum Einsatz kommen Medikamente mit dem Wirkstoff Colchicin. Es ist zwar wirksam gegen akute Gichtanfälle, allerdings erst nach etwa 24 Stunden und Nebenwirkungen wie Durchfall, Übelkeit oder Erbrechen sind dabei nicht selten.

Längerfristig werden sogenannte Urikostatika eingesetzt, die die Umwandlung von Purin in Harnsäure hemmen. Damit gute Heilungschancen entstehen ist es wichtig, dass Patienten auch in der interkritischen Phase – also zwischen den Anfällen – mit der Therapie weitermachen.

Operation: in fortgeschrittenen Fällen

In äußerst schweren Fällen sind die Gelenke bereits so geschädigt, dass nur noch eine Operation hilft, und ein künstliches Gelenk eingesetzt wird. Nach ein paar Tagen Krankenhausaufenthalt beginnt dann eine Bewegungstherapie, um das neue Gelenk einzugewöhnen.

Hausmittel gegen Gicht: Was Sie selbst tun können

In erster Linie tut es gut, das betroffene Gelenk zu schonen und ruhig zu stellen. Je nach eigenem Wohlempfinden kann auch Kälte oder Wärme bei Gicht helfen. Durch Kühlung und kalte Umschläge kann der Schmerz beispielsweise etwas gelindert werden.

Manchen sind jedoch warme Bäder lieber, um die Muskeln und Gelenke zu entspannen. Als Badezusatz eigenen sich dabei Heublumen oder Kamillenblüten. Am besten ist, auszuprobieren, was angenehm ist!

Auch Tee trinken ist gut, denn dadurch wird die überschüssige Harnsäure aus dem Körper geschwemmt. Vor allem Tees aus Leinsamen oder Birkenblättern sollen dabei besonders gut helfen.

Gicht durch Ernährung vorbeugen

Früher wurde Gicht auch Krankheit der Könige genannt, weil Adelige damals die einzigen waren, die sich eine fleischlastige Diät mit viel Alkohol leisten konnten.

Wie kann man Gicht vorbeugen?
Mit der richtigen Ernährung kann der Gicht vorgebeugt werden.

Mittlerweile gilt sie allerdings als Wohlstandskrankheit, der zumindest teilweise vorgebeugt werden kann. Denn durch gewisse Ernährungsmaßnahmen und eine strenge Gicht-Diät kann das Risiko für das Ausbrechen der Krankheit verringert werden:

  • Purinarm essen: Wenn Sie purinreiches Essen nur in kleinen Portionen zu sich nehmen, senken Sie auch das Risiko für eine spätere Gichterkrankung. Das bedeutet: wenig tierische Produkte wie Innereien, Fleisch oder Fisch essen. Auch bei Zucker, wie er in Softdrinks, Säften und Süßigkeiten enthalten ist, sollten Sie aufpassen. Fruchtzucker aus Obst ist hingegen ungefährlich. Maßgeblich ist auch, exzessiven Alkoholkonsum, vor allem Bier, zu vermeiden.

Als übersichtliche Zusammenfassung gibt es hier noch eine genaue Tabelle mit Lebensmitteln, die Sie bei Gicht lieber vermeiden sollten. Stattdessen sollten Sie vor allem auf fettreduzierte Milchprodukte und eiweißreiche pflanzliche Lebensmittel setzen, um der Krankheit entgegenzuwirken.

  • Viel trinken: Damit die Säurekonzentration im Harn niedrig bleibt, ist natürlich auch wichtig, ausreichend zu trinken. Überschüssige Harnsäure wird so regelmäßig ausgeschwemmt.
  • Auf Normalgewicht achten: Die Krankheit wird auch durch Übergewicht begünstigt. Achten Sie daher darauf, einen Body-Mass-Index von unter 25 zu haben und sich regelmäßig zu bewegen. Übertreiben Sie aber nicht, denn zu viel Bewegung ist für die Gelenke ebenfalls nicht gut.

Wer sich ausgewogen und purinarm ernährt und in Maßen bewegt, kann das Risiko für eine Gichterkrankung deutlich senken. Sollten die Schmerzattacken einmal auftreten ist es wichtig, gleich zum Arzt zu gehen. Denn je früher mit der Behandlung begonnen wird, desto eher lassen sich Folgeschäden vermeiden und die Schmerzen klingen so auch schneller wieder ab.